Mittwoch, 30. April 2008

Steinbrück will Steuerhinterzieher länger verfolgen

diese Überschrift findet sich gerade bei tagesschau.de. Ich finde jedoch, Steinbrück soll sie nicht länger verfolgen, sondern einfach schneller finden.

Dienstag, 29. April 2008

Demokratie, Inzest

Die Nachrichtenlage ist gut - es gibt derzeit viele schlechte Nachrichten. Aber welche Nachrichten beschäftigen einen wie mich - besonders im Kopf.

Der Verlust der Marktanteile von Nokia-Handys in Deutschland? Die Gewinneinbrüche von deutschen Börsenunternehmen? Die Verluste der Banken durch die Finanzkrise (der selbst verschuldeten)? Okay, man nimmt die Meldungen wahr, denkt kurz drüber nach, aber für wirklich mehr reicht es nicht.

Es sind andere Dinge, bei denen der Gedankenapparat anspringt: Berlin hatte seinen ersten Bürgerentscheid am vergangenen Wochenende - Tempelhof ja oder nein? Die Wähler/innenwerbung um diesen Entscheid war - so fand ich - beachtlich. Postwurfsendungen, Radiospots und in den lokalen Radionachrichten alle naselang Informationen im Vorfeld. Der Entscheid ist vorbei, Tempelhof wird als Flughafen dicht gemacht: In der politischen Version heißt das: Die CDU hat die meisten Stimmen (aber nicht die erforderliche Mehrheit) - die SPD hat trotz weniger Stimmen gewonnen. Aber eigentlich ist es nicht das, was mein Hirn bewegt, eher die Aussagen im Vorfeld, dass Tempelhof geschlossen wird, auch wenn der Bürgerentscheid die erforderliche Mehrheit erreicht. Okay, man kann mir vorwerfen "Wolf, in einer parlamentarischen Demokratie entscheidet der Souverän (das Volk) alle vier oder fünf Jahre, dazwischen ist Schnauzehalten angesagt!" Aber darf man plebiszitäre Elemente einfach so abbügeln? Welches Demokratieverständnis tritt zutage, wenn ein Bürgerentscheid/eine Volksabstimmung anscheinend keinen Einfluß auf Politiker hat? Ich fürchte, wer Politikverdrossenheit weiter vorantreiben will muss nur weiter so handeln, aber über kurz oder lang wird sich so etwas rächen.

Der Inzestfall in Österreich wirbelt eine große emotionale Empörungswelle auf. Ich will den Fall nicht verharmlosen! Er gehört zu den Schlimmsten, die ich bisher wahrgenommen habe. Aber die vielen kleinen Fälle (meist im Bereich des Kindesmissbrauchs angesiedelt) werden in der Regel nur wie Blitzlichter wahrgenommen und dann ist es vorbei. Ich fürchte fast, die Inzest-Dunkelziffer liegt wesentlich höher als angenommen (wird da überhaupt etwas angenommen?) und vor allem, wenn es im Einverständnis der beiden Personen passiert. Was ist im aktuellen Fall schlimmer: der Mißbrauch, die Freiheitsberaubung oder der Inzest? Was wäre eigentlich, wenn ein Vater mit seiner Tochter seit 24 Jahren ohne Zwang eine geschlechtliche Beziehung hätte aus der sieben Kinder entstanden wären? Würde unser moralisches Empfinden sich regen oder nur unsere Schulter leicht zucken?

Donnerstag, 24. April 2008

Star Wars



In der Hubble-Bildergalerie findet sich seit heute eine Bildserie von kollidierenden Galaxien. Manchmal liefert der Schrecken ästhetisch schöne Bilder.

Mittwoch, 23. April 2008

Heute vor 392 Jahren ...

... starb Miguel de Cervantes y Saavedra. Eine gewisse Bekanntheit dürfte er heute noch haben wegen seines Romans "Don Quijote". Aber wer liest heute noch einen solchen Roman?

Einen kenne ich, der das tut: Nämlich Nito Torres. Und er läßt uns sogar daran teilnehmen - in einem Podcast. Wer Cervantes' Roman hören möchte, kann den Podcast kostenlos über iTunes oder www.literatur-podcast.de abonnieren. Der Roman besteht aus zwei Büchern. Das 1. Buch liegt bereits komplett vorgelesen bereit. Beim 2. Buch ist das erste Drittel abgearbeitet. Der Rest kommt im wöchentlichen Rhythmus (Torres ist sehr zuverlässig in dieser Beziehung).

Aus meinem Posteingang

Heute wieder viel gelernt: Es gibt eine Zeitschrift mit Namen "Nemo". Ich werde sie wohl nicht kaufen.

"Leipzig - "Die Darstellung des Schatzsuchers unterstützt den illegalen Antikenhandel." Im exklusiven NEMO-Interview räumt Archäologie-Expertin Margarete von Ess mit dem romantischen Bild vom abenteuerlichen Jäger verlorener Schätze wie Indiana Jones auf.

Mit Geschick und List an tödlichen Fallen vorbei gemogelt, um dann den Goldschatz zu bergen: So wird die Archäologie in den "Indiana Jones"-Filmen dargestellt. Margarete von Ess, Direktorin der Orientabteilung des Deutschen Archäologischen Instituts, rückt dieses romantische Bild ihres Berufsstandes zurecht: "Archäologen suchen nach Erkenntnissen, nicht nach Schätzen."

Im Film allerdings darf sich Harrison Ford als Indiana Jones wieder auf Schatzsuche begeben, und er tut das auf die ihm eigene grandiose und sehr unterhaltsame Art und Weise. In der umfangreichen NEMO-Titelstory wird ein Blick auf Indys alte und neue Abenteuer geworfen, aber auch auf die Erben und Nachfolger des Schatzsuchers und auf das Abenteuergenre in anderen Medien. So erklärt beispielsweise Carsten Fichtelman, Geschäftsführer des Spiele-Publishers Deadalic, warum auch PC-Adventures wieder im Kommen sind.

Darüber hinaus wird in der neuen NEMO - seit 18. April am Kiosk - die Situation der deutschen und amerikanischen Comedy beleuchtet, wird ein Überblick über die besten Anime-Serien im Fernsehen und auf DVD geboten und mit dem Vorurteil aufgeräumt, Computerspiele wären nur etwas für Teenager. Wie in jeder Ausgabe bietet NEMO natürlich auch in Ausgabe
03/08 wieder über 100 Tests aus den Bereichen Kino, DVD, Spiele, Musik und Technik an, kurz die gesamte Welt der Unterhaltung. Unser spezielles Augenmerk gilt der Zielgruppe Familie. Schließlich haben wir auf unserer Heft-DVD auch noch Serienhighlights für Groß und Klein versammelt von "Wickie" über Anime-Knaller bis hin zu kultigen "RTL-Samstag Nacht"-Sketchen. NEMO und der dazugehörige Internetauftritt www.NEMOPOLIS.de erscheinen seit April 2007 im Leipziger Auerbach Verlag."

Mal sehen, wie sich dieser Fall weiter entwickelt

Mal sehen, wie sich dieser Fall weiter entwickelt. Mit diesen Worten endete mein Post vom 16. Januar. Und tatsächlich der Fall Otto Schily, der seine Einkünfte nicht offen legen will, hat sich weiter entwickelt.

Der Bundestag teilt heute per Pressemitteilung mit:
"Das Präsidium des Deutschen Bundestages hat heute einvernehmlich gegen den Abgeordneten Otto Schily ein Ordnungsgeld in Höhe von drei Monatsdiäten verhängt. Der Abgeordnete war auch nach erneuter Fristsetzung nicht seiner Pflicht zur Offenlegung von Tätigkeiten neben dem Mandat gemäß den Verhaltensregeln des Bundestages nachgekommen.

In seiner Sitzung am 20. Februar 2008 hatte das oberste Gremium des Parlaments bereits festgestellt, dass Schily damit seine Pflichten nach den Verhaltensregeln verletzt hat. Er hat anwaltliche Mandate, die er seit dem 1. Januar 2006 wahrgenommen hat und die mit anzeigepflichtigen Beträgen vergütet wurden, nicht angezeigt. Er hat so gegen § 1 Abs. 2 Nr. 1 und Abs. 3 der Verhaltensregeln in Verbindung mit Nr. 3 und 8 der Ausführungsbestimmungen zu den Verhaltensregeln verstoßen."

Da die Höhe von drei Monatsdiäten eine etwas vage Aussage ist, hier etwas genauer: Das Ordnungsgeld beträgt ca. 22.000 Euro (monatliche Diät liegt derzeit bei 7.339 Euro). Das Präsidium hatte die Möglichkeit, eine Ordnungsstrafe von bis zu sechs Monatsdiäten zu verhängen.

Dienstag, 22. April 2008

Alles Gute, Jack Nicholson

Vor 71 Jahren wurde Jack Nicholson in New York geboren. Der dreifache Oscar-Gewinner hat in vielen wunderbaren Filmen mitgespielt. Hier sind meine Favoriten:

Der Rabe – Duell der Zauberer (The Raven)
Das Schießen (The Shooting)
Easy Rider
Chinatown
Beruf: Reporter (Professione: reporter, auch The Passenger)
Einer flog über das Kuckucksnest
Shining (The Shining)
Wenn der Postmann zweimal klingelt (The Postman Always Rings Twice)
Grenzpatrouille (The Border)
Zeit der Zärtlichkeit (Terms of Endearment)
Die Ehre der Prizzis (Prizzi’s Honor)
Die Hexen von Eastwick (The Witches of Eastwick)
Nachrichtenfieber – Broadcast News (Broadcast News)
Batman
Eine Frage der Ehre (A Few Good Men)
Jahre der Zärtlichkeit – Die Geschichte geht weiter (The Evening Star)
About Schmidt
Die Wutprobe (Anger Management)
Departed – Unter Feinden (The Departed)

Mehr Konsum

Mit etwas Überraschung las ich in einer Berliner Zeitung: "Die im Vergleich zu den Vorjahren deutlichen Lohnerhöhungen in mehreren Branchen werden nach Ansicht der führenden Wirtschaftsforscher zu mehr Konsum führen." Die Konsumausgaben sollen in 2008 um 0,8 Prozent höher liegen als 2007.

Etwas skeptisch bin ich bei dieser Prognose allerdings. Sind die Konsumausgaben nicht schon allein deshalb höher anzusetzen, weil Energiepreise und Lebensmittelpreise bereits erheblich gestiegen sind und dieses Jahr auch noch weiter steigen sollen. Wenn ich alleine diese Teuerungsrate betrachte, dann bedeuten die Zahlen für mich, dass der Konsum zurückgeht.

Ich glaube auch nicht wie die Wirtschaftsforscher, dass das Mehr in der "Lohntüte" tatsächlich einen Kaufrausch bei den Menschen auslöst. Bei vielen wird sich die Lohnerhöhung gar nicht so großartig auf dem Konto auswirken und man wird weiterhin vorsichtig mit dem Geld umgehen.

Aber wir bewegen uns langsam aber sicher auf Wahlkampfzeiten zu: da werden Themen politisch lanciert und zum Teil Ängste geschürt wie z.B. das Armutsrisiko bei Senioren. Alle Untersuchungen zeigen jedoch, es leben wesentlich mehr Kinder in Armut als Senioren; für Kinder ist das Risiko, arm zu werden, zusätzlich wesentlich größer als bei Senioren. Aber nach dem Motto: Lasst uns mal ein Schreckgespenst an die Wand malen, das Wähler betrifft - und Kinder sind eben keine Wähler, die man gewinnen muss.

Donnerstag, 17. April 2008

Pulitzer Preis

Die Preisträger sind schon ein paar Tage bekannt, die Preise werden offiziell Ende Mai verliehen. Hier alle Preisträger:

Journalismus

PUBLIC SERVICE
The Washington Post
BREAKING NEWS REPORTING
The Washington Post Staff
INVESTIGATIVE REPORTING
Walt Bogdanich and Jake Hooker of The New York Times
INVESTIGATIVE REPORTING
The Chicago Tribune Staff
EXPLANATORY REPORTING
Amy Harmon of The New York Times
LOCAL REPORTING
David Umhoefer of the Milwaukee Journal Sentinel
NATIONAL REPORTING
Jo Becker and Barton Gellman of The Washington Post
INTERNATIONAL REPORTING
Steve Fainaru of The Washington Post
FEATURE WRITING
Gene Weingarten of The Washington Post
COMMENTARY
Steven Pearlstein of The Washington Post Steven
CRITICISM
Mark Feeney of The Boston Globe
EDITORIAL WRITING
No Award
EDITORIAL CARTOONING
Michael Ramirez of Investor's Business Daily
BREAKING NEWS PHOTOGRAPHY
Adrees Latif of Reuters
FEATURE PHOTOGRAPHY
Preston Gannaway of the Concord Monitor

Literatur, Theater, Musik

FICTION
The Brief Wondrous Life of Oscar Wao by Junot Diaz (Riverhead Books)
DRAMA
August: Osage County by Tracy Letts
HISTORY
What Hath God Wrought by Daniel Walker Howe (Oxford University Press)
BIOGRAPHY
Eden's Outcasts by John Matteson (WW Norton)
POETRY
Time and Materials by Robert Hass (Ecco/HarperCollins)
POETRY
Failure by Philip Schultz (Harcourt)
GENERAL NONFICTION
The Years of Extermination by Saul Friedlander (HarperCollins)
MUSIC
The Little Match Girl Passion by David Lang (G. Schirmer)

Sonderpreis

SPECIAL CITATION
Bob Dylan

Mittwoch, 16. April 2008

Ein ganzes Land verschwindet

Ich wollte meinen Ohren heute morgen nicht trauen, als ich die Meldung hörte, dass schweizer Wissenschaftler versuchen wollen, ein Schwarzes Loch auf der Erde zu erzeugen. Wenn dieses Experiment gelingt, ist plötzlich die Schweiz weg und damit auch das Schwarzgeld von ganz vielen Weiße-Weste-Managern. Ganz große Pessimisten befürchten sogar, dass sich das Verschwinden nicht auf die Schweiz beschränken wird, sondern die ganze Welt plötzlich weg ist - jedenfalls so nach 50 Monaten.

Ein bisschen Surfen brachte mir die Erkenntnis, der Radiosender meines Vertrauens zitierte eine Bildmeldung. Und die machen tatsächlich was für unsere Bildung: "Die Anlage bei Genf („CERN“, 3 Mrd. Euro) wird im Juni fertig: Eine unterirdische Röhre mit 27 Kilometer Durchmesser. Im Inneren eisig wie das All (minus 271 Grad)." Kürzer kann man die wesentlichen Informationen tatsächlich nicht zusammenfassen. Und wer bei der Dan Brown Lektüre eigentlich immer schon mal wissen wollte, wer dieser CERN ist, dem ist jetzt geholfen.

Dass Bild hier nicht gerade die aktuellste Meldung verbreitet, wird deutlich, wenn man dieses Interview liest (immerhin bereits vom Februar 2008). Und das ist immerhin Bild's Hauptbelastungszeuge.

Aber Schwarze Löcher sind ja gerade in. "Glaubt man einer aktuellen Studie der Universität Washington, liegen die Ursachen für nicht angekommene E-Mails oder fehlgeschlagene Seitenaufrufe nicht immer in Netzwerk- oder Serverproblemen begründet. Stattdessen vermuten die Forscher „schwarze Löcher“ im Internet." (Quelle: ComputerBild). Es ist doch immer wieder schön, wenn man sieht, wie in Verlagshäusern synergetisch zusammen gearbeitet wird.

Apropos Schwarze Löcher: Dieses auf meinem Girokonto regelmäßig auftauchende Phänomen wurde mir heute von unterschiedlichen Stellen plausibel erklärt: "Steigende Energie- und Lebensmittelpreise haben die Inflation in Deutschland im März auf den höchsten Wert seit 1994 getrieben. Die Jahresteuerungsrate kletterte auf 3,1 Prozent, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte und damit seine erste Schätzung bestätigte." (Quelle: Badische Zeitung)

Vor lauter Schwarzen Löchern ist es erfreulich, dass sich gerade die Sonne Bahn bricht und das Schattenwerfen wieder möglich macht.